PRODUKTTEST: HERZFREQUENZSENSOR IM REITSPORT

Die DLV | Dienstleistungsvereinigung der Pferdebranche war wieder für euch als Produkttester unterwegs. Diesmal durften wir die wertvollen Trainingsmessgeräte von Polar Equine testen. Zur Verfügung stand uns der Herzfrequenzsensor und die M400 GPS Pulsmessuhr, bereitgestellt von Cardiozone Sportgerätevertrieb. Als Ziel des Produkttests haben wir uns das Austesten von Stresssituationen für das Pferd gesetzt. Welche Situationen regen das Pferd auf? Wie schnell beruhigt es sich wieder? Wie anspruchsvoll ist das tägliche Training für das Pferd? Die Überwachung der Herzfrequenz meines Pferdes führte zu einigen Überraschungen.

AUSGANGSSITUATION

Mein 8-jähriger Wallach steht in einem Vereinsbetrieb zusammen mit einem weiteren Wallach tagsüber auf einem Paddock. Abends, bzw. an heißen Tagen werden Sie eingestellt. Er ist von Natur aus eher ein ruhiger Typ, kein hektisches oder nervöses Pferd. Allerdings ist er, wenn ihm etwas nicht passt oder ihm zu anstrengend wird, ein fieser Buckler. Mehrere Male kam ich mit meinem Wissen und meinen Instinkten an meine Grenzen. Oft sperrte er sich so heftig gegen alle gestellten Aufgaben, dass ich befürchtete, nie einen Weg zu ihm finden zu können. Er ließ mich stundenlang nicht aufsteigen, wirkte unmotiviert bei Trainingseinheiten, buckelte mich ab, nichts schien ihm so wirklich Spaß zu machen. Unseren kompletten Findungsweg könnt ihr in diesem Blogeintrag nachlesen. So hart der Weg am Anfang auch war, er hat sich gelohnt. Aber natürlich gibt es immer wieder Phasen, in denen wir einen Schritt vorwärts und drei Schritte rückwärts gehen. Manchmal wehrt es sich noch stark gegen das Gebiss, ist auf unebenen Untergründen sehr spannig, rennt los, akzeptiert keine Paraden, macht sich fest im Galopp und vieles mehr.
Als Testbeispiele habe ich dressurmäßiges Training auf dem Platz, Longieren mit Bodenricks, einen Geländeritt sowie ein Training auf einem fremden Platz gewählt.
Die Chance den Herzfrequenzsensor von Cardiozone testen zu dürfen ergab sich eher zufällig, da ich auf Recherchearbeiten für einen Blogartikel zum Thema Digitalisierung im Reitsport war.
In jedem Falle sollte sich im Vorfeld mit den Herzfrequenz-Zonen eines Pferdes beschäftigt werden, um die Trainingseinheiten dann auch realistisch auswerten zu können.
Hier mal die Durchschnittswerte des Pulsschlages beim Pferd in den verschiedenen Gangarten. Die Herzfrequenz bzw. der Puls wird in Schlägen pro Minute angegeben (s/m).

Stand: 24-48 s/m
Schritt (ca. 6km/h): 80 s/m
Trab (ca. 14km/h): 120 s/m
Trab (ca. 18km/h): 140 s/m
Galopp (ca. 20 km/h): 160 s/m
Galopp (ca. 30km/h): 200 s/m
Galopp (ca. 48km/h – 60km/h): 200-250 s/m

DIE PRODUKTE

Mir wurden der Herzfrequenzsensor POLAR Equine H7 mit Sattel-Elektroden und die POLAR Equine M400 Ride GPS Pulsuhr zur Verfügung gestellt. Der Gesamtpreis liegt bei ca. 269,95 €.  Das Herzfrequenzsensor – Set, also die Elektroden, die direkt am Pferd liegen und für die Aufzeichnung verantwortlich sind, bestehen aus bequemen, trageoptimierten Kunststoff. Sie sind leitungsfähig und verfügen über ein absorbierendes Polster, das den permanenten Kontakt mit der Pferdehaut sicherstellt. Hinzu kommt der Bluetooth-Sender, welcher die Informationen an den zugehörigen Trainingscomputer, in meinem Falle die M400 Pulsuhr, weiterleitet. Die Reichweite zwischen dem Bluetooth Sender und der M400 liegt bei maximal 10 Meter.

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DIE EINRICHTUNG

Hier wurde es dann doch etwas komplizierter als gedacht. Die Einrichtung der M400 und die Verbindung mit den Sattel-Elektroden stellte mich auf eine harte Probe. Zunächst verwirrte natürlich die Bedienungsanleitung der M400, da diese lediglich auf menschliche Trainingseinheiten ausgelegt ist. Allerdings ist sie auch in der Lage, die Herzfrequenz, Distanz und Geschwindigkeit des Pferdes zu messen. Zu dieser Erkenntnis kam ich allerdings erst nach einigen Recherchen in verschiedenen Foren zu den Polar-Trainingsgeräten…
Nachdem ich die M400 an meinem Laptop angestöpselt und mich bei PolarFlow registriert hatte, konnte es eigentlich los gehen. Ich legte ein Benutzerprofil für mein Pferd an und setzte die maximale Herzfrequenz auf 220 s/m. (So wird es in der Betriebsanleitung empfohlen) Die Trainingsziele sollten nicht festgesetzt werden, da die Auswertungen und Analysen auf PolarFlow auf den menschlichen Körper ausgelegt sind.

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DIE ANBRINGUNG DES HERZFREQUENZSENSOR

Die Anbringung des Herzfrequenzsensor -Sets an sich war sehr einfach. Allerdings hatte ich am Anfang das Problem, dass die Sender nicht an die M400 übertragen haben. Erst als beide Übertragungsflächen, also Pferd und Elektroden stark genässt wurden, liefen die Übertragungen reibungslos. Die negative Elektrode wird mit Hilfe des Gummigurtes unter dem Sattelgurt kurz hinter dem Ellenbogengelenk, befestigt. Die positive Elektrode befindet sich kurz über dem Schulterblatt unter der Schabracke und dem Sattel. Das zusätzliche Reitergewicht verhindert das Verrutschen der Elektroden unter dem Sattel.

Die Herzfrequenz -Elektroden sind  mit Kabeln an der “Bluetooth-Station” verbunden. Diese wird durch eine kleine Tasche geschützt und kann ebenfalls mit Hilfe eines mitgelieferten Gummigurtes am Sattel befestigt werden.

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TEST 1: DRESSURMÄßIGES ARBEITEN AUF DEM HEIMISCHEN REITPLATZ MIT DEM HERZFREQUENZSENSOR

Die Aufzeichnungen hier starten schon in der Box, um herauszufinden, ob meinen Wallach schon allein das Satteln oder das Trensen aufregen. Beides war nicht der Fall. Wir absolvierten ein relativ unspektakuläres Training, ich wollte kontrollieren, inwieweit mein Wallach belastbar war und wann er anfing, sich wirklich anzustrengen. Ob ihn gerade die Galopparbeit oder viele Übergänge aufregten bzw. beanspruchten.
Immer wieder erhaschte ich einen Blick auf die M400 Uhr an meinem Handgelenk und konnte so kontrollieren, auf welchen Pulslevel er sich befand.

Erstaunlicherweise hatte ich unser Training bisher falsch eingeschätzt. Immer wenn ich dachte: “Jetzt wird es anstrengend!”, hatte er noch nicht einmal den Durchschnittswert der jeweiligen Gangart erreicht! Ich musste an meiner eigenen Kondition feilen…

Hier die Ergebnisse des ersten Trainings:

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TEST 2: LONGIEREN MIT BODENRICKS

Zum Longieren konnte ich seine Körpersprache, seinen Takt und seine Pulswerte gleichzeitig im Blick behalten, ohne mit meiner eigenen Kondition an meine Grenzen zu kommen 🙂 Ich variierte an Hand der Longe Geschwindigkeit, Gangart, Höhe der Bodenricks und diversen Bahnfiguren. Dieses Training war bis hierhin für ihn das anstrengendste. Es ließ sich hier sehr einfach mit Pausen- und Anstregungsphasen spielen. Den einzigen Stresspunkt zeigte er, als sein Paddock-Kumpel den Stall für einen Ausritt verließ.
Leider ist bei diesen Auswertungen etwas mit der Geschwindigkeitsmessung schief gelaufen, so dass ich hier nur die Pulswerte darstellen kann.

Hier die Ergebnisse vom Longieren:

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TEST 3: GELÄNDERITT MIT DEM HERZFREQUENZSENSOR

Am Tag des Ausrittes war es sehr schwül, die Bremsen und Mücken verfolgten die Pferde auf Schritt und Tritt. Als Ausrittbegleitung nahmen wir eine sehr nervöse Stute mit, die grundsätzlich nur tänzeln konnte anstatt Schritt zu laufen. Von ihr ließ er sich, obwohl er damals zum Kaufzeitpunkt ein sehr hengstiges Verhalten an den Tag legte, nicht aus der Ruhe bringen. Die Stute trabte schweifschlagend neben uns, quieckte und war mit ihrer Fliegenabwehr derart beschäftigt, dass sie oft stolperte, sich dann erschreckte und losdonnerte. Ich war verdammt stolz auf meinen Braunen, der sich auch von ihr und mehreren Bremsenangriffen nicht aus der Ruhe bringen ließ. Sein Puls blieb immer unter den Durchschnittswerten. Bis auf den kleinen Anstieg am Anfang des Ausrittes: Ein Güterzug rollte 5 Meter von uns vorbei. Es war ein ohrenbetäubender Lärm und der Zug schien kein Ende zu haben. Hier kletterte sein Puls auf knapp 102 Schläge pro Minute. Mit gespitzten Ohren blieb er dennoch ruhig unter mir und lief tapfer weiter. Äußerlich machte er nicht den Anschein, als ob der Zug ihm etwas ausmachen würde, doch in seinem Inneren zitterte er.

Hier die Auswertungen:

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TEST 4: TRAINING AUF EINEM FREMDEN REITPLATZ MIT DEM HERZFREQUENZSENSOR

Der letzte Test mit den Polar Equine Messgeräten. An einem regnerischen und sehr durchwachsenen Tag fuhren wir ca. 40 Minuten mit meinem Wallach und dessen Kumpel auf einen anderen Trainingsplatz. Zuerst absolvierte ich eine Trainingseinheit mit dem anderen Pferd, so dass mein Wallach auf dem Hänger warten musste.
Danach sattelte ich ihn, befestigte die Herzfrequenzsensoren und begann die Messung ab unserem Parkplatz. Ich ritt noch ca 5 Minuten durch das fremde Gelände bis zum Trainingsplatz. Dort angekommen, gingen seine Pulswerte etwas hoch, es gab viel zu sehen und zu entdecken. Überraschenderweise wurde er aber sehr schnell wieder locker und ruhig. Ich begann das Training und hatte ein sehr viel besseres Gefühl als bei den vorigen Trainingseinheiten: Er ging locker und frisch vorwärts, hob sich nicht einmal heraus und galoppierte, als hätte er nie etwas anderes gemacht. Der gute Boden und die Umgebung schienen ihm zu gefallen. Er gab sich unglaublich viel Mühe und arbeitete gut mit. Nach ca. 40 Minuten beendete ich die Einheit und ritt zum Parkplatz zurück.

Hier seht ihr die Auswertungen:

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FAZIT:

Die Polar Equine Messgeräte haben mir eine ganz neue und tiefergehende Sichtweise auf mein Pferd und unser Training gegeben. Ich kann ihm durchaus mehr ZUtrauen und vor allem kann ich ihm VERtrauen. In vielen Fällen hat er gezeigt, dass ihn etwas aufregt bzw. stört, er aber dennoch immer weiter willig mitarbeitete. Wir werden unsere weiteren Trainingseinheiten jetzt öfters mal auf andere Reitplätze verlagern und unsere Ausritte etwas anspruchsvoller gestalten. Wer sein Training also effektiver und sinnvoller gestalten will, dem kann ich die Herzfrequenzsensoren nur ans Herz legen. 🙂 Die Trainingssystem eignen sich für die Überwachung von Distanzritten, für die Pulskontrolle im Springparcours oder auch die Überwachung des allgemeinen Belastungszustandes. Egal ob Profi – oder Freizeitreiter, jeder kann damit tiefer in sein Pferd hineinhören.

Wir danken Cardiozone für die tolle Testmöglichkeit und freuen uns auf eure Berichte und Feedbacks. Das Trainingsset könnt ihr hier erwerben: Polar Equine – M400 schwarz – H7 Elektroden – Inzone – Healthcheck – Horsetrainer

 

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