GUTE REITLEHRER UND WIE DU SIE ERKENNST

Als Pferdebesitzer und als Reiter ist man immer bestrebt, das eigene Niveau zu fördern oder beizubehalten. Auf der Suche nach dem passenden Reitlehrer, ist es nicht immer ganz einfach, zwischen Empfehlungen, Facebook-Kommentaren oder Linklisten den Überblick zu behalten. Wir geben dir heute einige Tipps an die Hand, mit denen du einen passenden Trainer für dich und dein Pferd finden kannst und wie du dich auf deine Reitstunde vorbereiten solltest.

Grundlagen und Basics

Die Richtlinien der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) sollten in allen Disziplinen vorherrschend sein. Egal ob du Vielseitigkeitsreiter, Fahrer, Springreiter oder Dressursportler bist oder noch werden willst. Diese Richtlinien sind die Basis und Leitlinie für korrektes Reiten und Ausbilden von Pferden im Breiten- und Leistungssport. Dieses Regelwerk erschien das erste mal vor mehr als 50 Jahren. Es wurde seither durch erfahrene Reitmeister stetig weiterentwickelt und um wissenschaftliche Erkenntnisse erweitert. Jeder, der das Grundwissen für die Kommunikation zwischen Reiter und Pferd verstehen, erlernen oder lehren will, sollte die Richtlinien verinnerlicht haben und daran interessiert sein, sich stetig weiterzuentwickeln. 

Die verschiedenen Bänder unserer Richtlinien für Reiten und Fahren findet ihr hier:

Vor eurer ersten gemeinsamen Reitstunde sollte sich dein Reitlehrer nach deinem Erfahrungsschatz erkundigen:

  • Auf welchem reiterlichen Niveau befindest du dich gerade?
  • Wo gibt es Probleme, wo liegen deine Schwächen?
  • Auf welchem Ausbildungsstand befindet sich dein Pferd?
  • Welche Ziele hast du dir gesteckt?

Trainingsaufbau und Wissensvermittlung

Jede Unterrichtseinheit sollte mit einer korrekten und ausreichenden Aufwärmphase beginnen. Dein Trainer kann hierbei auch erste theoretische Abfragen tätigen, um deinen Wissensstand besser einschätzen zu können. Grundsätzlich sollte immer klar sein, WAS, WIE, WOFÜR und MIT WELCHEM ZIEL du Lektionen oder Übungen reitest.
Nehmen wir als Beispiel die Lektion: Schritt-Trab-Übergänge auf gebogenen Linien. 

  1. WAS? – Korrekte Übergänge reiten, mit elastischen und weichen Hilfen
  2. WIE? – Welche Hilfen werden gebraucht? Wann werden Paraden eingesetzt? Wie soll dein Pferd reagieren?
  3. WOFÜR? – Wofür ist die Übung gut? Soll diese Übung auf die nächsten Lektionen vorbereiten?  Dient sie der Erwärmung? Soll Aufmerksamkeit gefördert werden?
  4. MIT WELCHEM ZIEL? – Jede Lektion soll einem bestimmten (längerfristigen) Ziel dienen: Förderung der Losgelassenheit? Lastaufnahme der Hinterhand?

Ein guter Trainer sollte dir also erklären, warum diese Übung für euch gewählt wurde, wie du sie durchführen musst und was ihr damit erreichen wollt. Wichtig ist hierbei auch die genaue Definition der Hilfengebung. Zu welchem Zeitpunkt sollst du die Hilfen setzen, wo machst du Fehler und was musst du verbessern?
Wenn dir der Reitlehrer dieses System nicht erklärt, sollte es gestattet sein, Fragen zu stellen. Trau dich! – Nur so kannst du ein Verständnis für die Lektionen entwickeln und die Hinweise im Training allein weiter umsetzen und ausbauen. 

Rücksicht auf dich und dein Pferd

Ein wichtiger Baustein, auf dem es im Reitunterricht zu achten gilt, ist das Exterieur und die Psyche deines Pferdes. Ist dein Pferd körperlich in der Lage, die geforderten Übungen und Lektionen korrekt auszuführen? Ein zu kurzer Hals, Überbauung, Bockhufigkeit sind Exterieurmängel, die es deinem Pferd schwer machen können, Takt, Anlehnung oder Losgelassenheit einzunehmen. Dies sollte dein Trainer erkennen und entsprechende Lektionen wählen, die die Qualität deines Pferdes steigern können und Widersetzlichkeiten erklären. Hat dein Pferd noch keinerlei Kondition aufgebaut, sollte dein Trainer ein Aufbautraining bevorzugen und keine ausdauernden Übungen verlangen. Jegliche Lektionen sollten deinem und dem Ausbildungsstand deines Pferdes angepasst sein. 

Auch deine körperliche Verfassung spielt eine wichtige Rolle in der gemeinsamen Trainingsplanung. Deine Kondition, Kraft und Reaktionsfähigkeit sind Fähigkeiten, die ausgebaut und trainiert werden müssen, um korrekte Aufgaben reiten zu können. Gibt es etwas wovor du Angst hast? Ein Ritt ins Gelände, ein Gymnastiksprung, ein Oxer – all das können Anforderungen sein, denen du dich nicht gewachsen fühlen könntest. Dies sollte dein Trainer berücksichtigen und gemeinsam mit dir versuchen, einen Weg zu finden, wie du deine Angst überwinden kannst.

Abwechslung im Trainingsalltag

Wenn du mit einem Reitlehrer eine langfristige Kooperation eingehst, ihr gemeinsam erste Trainingspläne erstellt, ist eine abwechslungsreiche Gestaltung des Reitunterrichts wünschenswert. Je nach Trainingsziel und unter Berücksichtung der oben aufgeführten Bausteine, sollte mit Stangenarbeit, Cavalettis, Gymnastiksprüngen oder Geländeeinheiten variiert werden. Das Prinzip bleibt gleich: Du solltest erfahren, wie, mit welchem Zweck und mit welchem Ziel die Übungen eingesetzt werden. 

Qualifikation

Wenn du nach einem mobilen Reitlehrer in deiner Nähe im Netz suchst, wirst du sicher die ein oder andere Linkliste finden, die nicht viel über den Trainer aussagt. Dahingehend sind die Qualifikationen das Einzige, womit du tatsächlich reelle Vergleiche anstellen kannst. Eine Facebook-Umfrage wird dir auch keine tiefgründigen Inhalte über die jeweils vorgestellten Trainer offenbaren. Orientiere dich weitestgehend an den abgeschlossenen Zertifikaten der Trainer. Jeder Trainer wird sich auf eine bestimmte Disziplin oder sportliche Ausrichtung spezialisiert haben. Grundsätzlich sind alle Ausbildungsqualifikationen in zwei Module gegliedert: Die Traineranwärter können sich entscheiden, ob sie wettkampforientiert arbeiten wollen oder eher breitensportlich orientiert sind. Das Modul Basisport erwerben die Trainer, die den Breitensport im Blick haben und diesen für jede Zielgruppe fördern wollen. Das Modul Leistungssport ist für die Trainer, die eben diesen fokussieren und vermitteln wollen. Also solltest du auch hier, vorher überlegen, welche Ziele du selbst verfolgst.

Trainer C im Reitsport – Der Grundsteinleger

Die Tätigkeit als Trainer C untergliedert sich, je nach persönlichen Stärken und Interessen des Trainers in Basissport und Leistungssport. Ein Trainer C ist in der Lage, deine Grundausbildung anzuleiten und dich für erste Turnierstarts vorzubereiten. Diese Reitlehrer haben mindestens das deutsche Reitabzeichen 4 , sind im Besitz eines Reitpasses, eines Longierabzeichens der Klasse 5 und haben einen Erste-Hilfe-Lehrgang absolviert. Die Trainer C – Leistungssport bringen außerdem noch mindestens vier Platzierungen in zwei Disziplinen in Prüfungen der Klasse A bzw. mindestens zwei Platzierungen in der Klasse L in einer Disziplin mit.

Trainer B Reiten – Der Vertiefer

Trainer der Stufe B vermitteln vertiefende Inhalte der Grundausbildung für fortgeschrittene Reiter, stellen Übungen und ganze Trainingspläne zusammen und begleiten dich bishin zu Breitensport- oder Leistungssportveranstaltungen. Trainer B – Leistungssport sind in der Lage, Pferde in einem gewählten Schwerpunkt auszubilden und können dich so auch bei der Ausbildung deines Pferdes unterstützen. Reitlehrer der Stufe B haben natürlich die Prüfung zum Trainer C bestanden oder sind Pferdewirtschaftsmeister mit dem Teilbereich Zucht und Haltung. Sie sind im Besitz des Reitabzeichen 4 und waren mindestens ein Jahr als Ausbilder tätig. Auch hier müssen die Trainer mit dem Schwerpunkt Leistungssport mindestens vier Platzierungen in wenigstens zwei Disziplinen in Prüfungen der Klasse A oder mind. zwei Platzierungen in Klasse L in einer Disziplin, vorweisen.

Trainer A Reiten – Der Profi

Die Profis im Trainerbereich sind Reitlehrer mit der Stufe A. Sie sind in der Lage konzeptionelle Ausbildungsprogramme zu entwerfen und ganzheitliche Unterrichtskonzepte, abgestimmt auf die Bedürfnisse der jeweiligen Reiter, zu entwickeln. Hier erfährst du ebenfalls aktuelle Enwticklungen aus dem Reitsport und wirst ganzheitlich betreut. Im Leistungssportsektor bekommst du von ihm leistungsorientierte Trainings- und Saisonplanungen. Er kann dich über Talentförderungsprogramme promoten und ist ebenfalls in der Lage, Pferde auszubilden. Ein Trainer A hat mindestens eine einjährige Ausbildertätigkeit als Trainer B hinter sich gebracht und besitzt das Reitabzeichen 2 sowie das Longierabzeichen 4. 

Vorbereitung ist alles

Bevor du dich nun auf die Suche nach einem passenden Trainer für dich und dein Pferd machst, solltest du dir einige Fragen stellen, um das Passende für dich zu finden und bei deinen Anfragen in Reitschulen oder bei mobilen Trainern gut vorbereitet zu sein. 

Hier ist eine kurze Checkliste für dich:

  • Ausgangssituation:
    • Welche Qualifikationen/Erfahrungen bringe ich mit?
    • Welches Ausbildungsniveau hat mein Pferd?
    • Wo sind unserer beider Schwächen?
    • Gibt es Ängste oder gar körperliche Einschränkungen (z.B. durch alte Verletzungen)
    • Hat mein Pferd Exterieurprobleme? (z.B. Bockhufe, Überbauung)

 

  • Ziele:
    • Welches persönliche Ziel verfolgst du im Reitsport?
    • Wo siehst du dein Pferd in 5 Jahren?
    • Welche Lektionen/Erfolge könnte/sollte es erbringen?

 

Nun wünschen wir dir viel Erfolg beim Finden eines passenden Trainers. Wir freuen uns über deine Erfahrungsberichte!

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