Der Sperrriemen – eine sachliche Auseinandersetzung

Heute möchten wir uns mit dem viel diskutierten, oft missverstandenen und tiefgründigen Thema auseinandersetzen: Der Sperrriemen. Meist ist es so, das er “halt dran ist”. Dennoch sollte man sich über die Wirkungsweise und Sinnhaftigkeit des unscheinbaren Riemens bewusst sein, ehe er eingeschnallt wird. In diesem Beitrag haben wir Argumente, die für oder wider den Sperrriemen sprechen, gesammelt und beleuchtet. Die oft falsche Verwendung, sei es durch Unwissenheit oder Gleichgültigkeit, kam durch die Beobachtungen auf den DKB Bundeschampionaten in Warendorf wieder stark zum Tragen. Eine dort eingesetzte Tierärztin berichtet von Ihren Beobachtungen.

Geschichte des Sperrriemens

Der Sperrriemen, oder früher auch Pullriemen genannt, wurde zu Militärzeiten im ersten Weltkrieg, als schnelle und waghalsige Angriffe geritten werden mussten, dazu genutzt, um die Kiefer der Pferde bei Stürzen vor Brüchen zu schützen. Weiterhin wollten die Reiter, dessen Ausbildungszeit manchmal durchaus begrenzt war, die Mäuler der Pferde durch Einschnallen des Pullriemens schonen. Der Erfinder des Englischen Reithalfters hatte den Pullriemen ursprünglich durch die Gebissringe gezogen, um den Druck auf den Nasenrücken zu verteilen und den nach unten “pullenden” Pferden Einhalt zu gebieten.

 

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Zweck des Sperrriemens

In der heutigen Zeit hat der Sperrriemen eine Aufgabe: Er verhindert das Aufsperren des Pferdemauls und damit auch die Möglichkeit, dass das Pferd die Zunge über das Gebiss schieben kann. In diesem Moment nämlich, wird es für den Reiter durchaus gefährlich, sei es jetzt bei einem Vollblüter auf der Rennbahn oder einem Geländeritt im Grünen. Der Sperrriemen soll so verschnallt werden, dass er in keinem Fall die Atemwege des Pferdes beeinträchtigt. Er soll so unterhalb des Trensengebisses geschanllt sein, das zwischen den Kieferästen des Pferdes etwa 2 Finger breit Platz ist. (laut FN). Wichtig hierbei ist auch, dass die Verbindungsschnalle nicht in der Maulspalte oder auf dem Nasenrücken liegt, sondern an der weichsten Stelle am seitlichen Rand.

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Was spricht für den Sperrriemen?

Um dies abzuschätzen, sollten einige Aspekte mit in die Betrachtung und Abwägung einbezogen werden: Alter des Pferdes, Einsatzgebiet, Vorgeschichte, Reitererfahrung.

Für den Sperrriemen spricht in jedem Falle die Stabilisierung des Gebissen im Pferdemaul. Er verhindert das einseitige Herausziehen des Gebisses, was vor allem bei unerfahrenen Reitern vorkommen kann. Sicher muss an dieser Stelle angebracht werden, dass Reitschulen erst Reiter von der Longe nehmen sollten, sobald die Hand- und Zügelführung ruhig erfolgen kann. In FN – Büchern wird unter anderem auch beschrieben, dass der Sperrriemen die Laden des Pferdes bei Zügeleinwirkung entlastet und den Druck auf den Nasenrücken umleitet. Ein weiteres Argument für den Sperrriemen ist, dass er beim Führen des Pferdes mit Trense, das Heraus- und Rumrutschen des Gebisses verhindert bzw. abmildert.

Der Sperrriemen kann bei verrittenen bzw. bei Korrekturpferden helfen, da diese sich möglicherweise grundsätzlich gegen Gebisse sträuben. Die Gefahr für Pferd und Reiter ist in diesem Moment recht groß. Das Pferd hat eventuell nie gelernt, richtig auf die Hilfen zu reagieren und will sich grundsätzlich jeglicher Einwirkung entziehen. Ein Sperrriemen kann hierbei Stabilität und Sicherheit geben.

Was spricht gegen den Sperrriemen?

Ein Sperrriemen gibt dem Pferd keine Möglichkeit, dessen Ober- und Unterkiefer frei zu bewegen. Diese starre Haltung führt zu Verspannungen und verhindert eine Durchlässigkeit der Hilfen. Zudem wird die Kautätigkeit des Pferdes eingeschränkt, welche für die korrekte Losgelassenheit unabdingabr ist. Durch unkonkrete Verschnallungs-Richtlinien wie: “nicht zu eng und nicht zu locker”, kommt es immer wieder vor, dass jeder Reiter diese Verschnallung anders interpretiert und anwendet. Eine zu feste Verschnallung beeinträchtigt stark die Atmung des Pferdes.

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Ein weiteres Argument gegen den Sperrriemen stellt in jedem Falle auch die psychische Unterdrückung des Pferdes dar, dem Pferd keine Möglichkeit mehr zu geben, seinen Schmerzen Ausdruck zu verleihen, geschweige denn, sich den Schmerzen zu entziehen. Sei es durch eine grobe oder unerfahrene Reiterhand, ein falsches Gebiss oder einfach nur Unmut. Pferde machen nichts ohne Grund. Und wenn Abneigung gegen Gebiss oder Hand entsteht, sollte zunächst einen Schritt zurück gegangen werden, bevor ein Sperrriemen zum Einsatz kommt, um das Aufsperren des Mauls oder das Darüberlegen der Zunge zu verhindern. Es kann nie der richtige Weg sein, lediglich Symptome anstatt Ursachen zu bekämpfen. Was definitiv gegen den Sperrriemen spricht, ist fehlende Aufklärung. An jeder zu erwerbenden Trense ist ein Sperrriemen mit dran. Weder Hersteller noch Lieferanten fühlen sich dafür verantwortlich zu erklären, was genau verkauft wird und wozu es gebraucht wird.

Grundsätzlich sollte jeder, der den Reitsport ausübt und sich damit auch dem Tierschutz verschrieben hat, immer hinterfragen, welchen Zweck welche Ausrüstungsgegenstände mit sich bringen. In einer Onlinewelt, in der jeder ein Video veröffentlichen und sagen kann: “So ist es richtig, so wird es gemacht”, muss aufgepasst werden. Immer ein breites Blickfeld behalten, Fragen stellen, abwägen und sich informieren! Eine gute Möglichkeit bieten die Pferde Connection Gruppe auf Xing. Das nächste Webinar von Veterinärmediziner Dr. Kai Kreling zum Thema “Richtig zäumen & die Pferde schäumen!?” findet am Dienstag, den 27.10.2015 um 19 Uhr statt. Hier geht’s zur Anmeldung.

 

 

 

 

 

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